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Author Topic: Gemeinschaftlich begangenes Schweigen  (Read 4848 times)

ama

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Gemeinschaftlich begangenes Schweigen
« on: January 09, 2007, 02:27:48 PM »

Es gibt Grenzen, die sollte man nicht überschreiten. Was sich die deutsche Ärzteschaft, dargestellt im Ärzteblatt, bei der Genitalverstümmelung leistet, zwingt mich dazu, diesen Artikel aus dem Ärzteblatt ganz zu zitieren:

http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=54009

[*QUOTE*]
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Meyer, Petra
Weibliche Genitalverstümmelung: Angst vor Empörung
Deutsches Ärzteblatt 104, Ausgabe 1-2 vom 08.01.2007, Seite A-16
POLITIK

Beschnittene Frauen wünschen sich offene und wertfreie Gespräche, wenn sie zum Arzt gehen.

Als die 25-jährige Somalierin Kadija zum ersten Mal in Deutschland zu einer Frauenärztin geht, ist diese entsetzt. "Wer hat Ihnen denn so etwas Grausames angetan?", fragt die Gynäkologin. Kadija weiß nicht, was sie sagen soll. Seit ihrem sechsten Lebensjahr ist sie beschnitten und zugenäht. Sie kennt es nicht anders. Kadija ist mit dieser Situation überfordert, die Ärztin auch. Die junge Frau fühlt sich nicht als Opfer und ist erschrocken, wie heftig ihre Gynäkologin reagiert. Diese wiederum sieht zum ersten Mal eine Genitalbeschneidung und ist zutiefst schockiert.
Das Wissen über die weibliche Genitalverstümmelung1, international als Female Genital Mutilation (FGM) bezeichnet, verbreitet sich nur im Schneckentempo in deutschen Arztpraxen. Dabei liegt die Zahl der Frauen und Mädchen, die in Deutschland betroffen oder gefährdet sind, bei etwa 30 000. Weltweit sind es rund 140 Millionen Frauen. Drei Millionen Mädchen und Säuglinge kommen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich hinzu.
Die Beschneidung der weiblichen Genitalien wird vor allem in 28 afrikanischen Ländern praktiziert, aber auch in einigen arabischen und asiatischen Staaten. Sie wird in islamischen, christlichen und anderen Glaubensgemeinschaften vorgenommen. Erst kürzlich haben sich die wichtigsten Rechtsgelehrten des Islam in Ägypten in der Al-Azhar-Universität für ein Verbot der Genitalverstümmelung ausgesprochen. Heribert Kentenich, Chefarzt an den Berliner DRK-Westend-Kliniken, war in Kairo dabei und sieht in diesem Verbot einen wichtigen Schritt, um die frauenverachtende Praktik zu überwinden.
FGM ist irreversibel und kann schwere körperliche und seelische Folgen haben. Je nach Art der Beschneidung wird unterschiedlich viel von der Klitoris und den Schamlippen entfernt. Die weitreichendste Form ist die sogenannte Infibulation, bei der die Vagina anschließend bis auf eine kleine Öffnung zugenäht wird. Da der Eingriff in vielen Ländern ohne Betäubung und unter schlechten hygienischen Bedingungen vorgenommen wird, kann es zu vielfältigen medizinischen Komplikationen kommen.
Auf einer Konferenz zur Genitalverstümmelung Mitte Dezember in Berlin, veranstaltet vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und dem Netzwerk "integra", warnte Colette Dehlot von der WHO vor den gesundheitlichen Folgen. Sie wies darauf hin, dass beschnittene Frauen einer neuen Studie2 zufolge ein höheres Risiko tragen, ihr Kind vor oder nach der Geburt zu verlieren. Sie haben außerdem während der Geburt weitaus mehr Schwierigkeiten als unbeschnittene Frauen. Dehlot kritisierte zudem, dass Frauen zunehmend in Krankenhäusern beschnitten werden, wie beispielsweise in Ägypten, Kenia oder Guinea. Dort findet der Eingriff zwar unter Betäubung und unter hygienischen Bedingungen statt. Doch an der Genitalverstümmelung als Menschenrechtsverletzung ändert sich nichts. Die WHO lehnt die Medikalisierung daher seit Jahren strikt ab und zeigt auch ansonsten keine Toleranz für diese Praktik.
Bundesärztekammer legte Empfehlungen vor
Aufgrund der Migration wird Genitalverstümmelung zunehmend auch ein Thema für deutsche Ärzte. Immerhin haben einer Umfrage zufolge von 493 befragten Gynäkologen 43 Prozent bereits eine beschnittene Frau behandelt, 9,7 Prozent wussten von einer in Deutschland vorgenommenen Beschneidung, und 7,1 Prozent waren darüber informiert, dass Patientinnen ihre Tochter zur Beschneidung in die Heimat zurückschicken wollten. Die überwältigende Mehrheit (87,4 Prozent) wünschte sich vor allem eins: mehr Information in Form von Aus- und Fortbildungen.3
Doch bislang sieht es damit eher schlecht aus. Christoph Zern von der AG Frauengesundheit in der Entwicklungszusammenarbeit empfahl daher in Berlin: "Wenn sich der Kenntnisstand nachhaltig verbessern soll, muss das Thema in den verpflichtenden Studien- und Weiterbildungskatalog aufgenommen werden." Die Organisation Terre des Femmes hat zudem Informationsmaterial in sechs Sprachen produziert, das angefordert und in Praxen ausgelegt werden kann.
Immerhin, die Bundesärztekammer hat im Frühjahr dieses Jahres Empfehlungen4 zum Umgang mit beschnittenen Patientinnen herausgegeben. Darin wird klargestellt, dass Genitalverstümmelung eine Körperverletzung ist, die strafrechtlich verfolgt und darüber hinaus berufsrechtlich geahndet wird. Das Wiederzunähen der Vagina nach einer Entbindung, die so genannte Reinfibulation, wird verurteilt.
Mehr Sensibilität, weniger Mitleid gegenüber Betroffenen
Wie das Beispiel von Kadija zeigt, ist auch im Umgang mit Patientinnen noch viel zu tun. So wollen beschnittene Frauen nicht als "verstümmelt" bezeichnet werden, da sie sich nicht so fühlen. In ihrer Kultur ist das Ritual positiv besetzt. Sie bevorzugen daher das Wort "Beschneidung". Dass viele heute dennoch FGM ablehnen, hat viele Gründe, auch gesundheitliche.
Afrikanische Aktivistinnen plädierten auf der Berliner Konferenz mehrfach dafür, dass Ärzte achtsamer mit beschnittenen Frauen umgehen. Weder möchten sie als Opfer angesehen noch im Kreißsaal ungefragt als exotisches Studierobjekt von einem ganzen Medizinertross begutachtet werden. "Ich bin ein ganzheitlicher Mensch und will nicht auf meine Genitalien reduziert werden?, so Fadumo Korn, Autorin und Vorstandsmitglied der Frankfurter Hilfsorganisation "Forward". Beschnittene Frauen wünschen sich mehr Sensibilität, aber weniger Mitleid und Entrüstung. Eine der Aktivistinnen brachte es so auf den Punkt: "Wenn tiefe Empörung auf uralte Traditionen trifft, ist Dialog meist unmöglich." Besser wäre ein sachliches, wertfreies Gespräch. Das hätte auch Kadija gutgetan.
Petra Meyer

1 Umfangreiche Hintergrundinformationen zur Genitalverstümmelung finden Sie unter:
http://www.bmz.de
http://www.gtz.de
http://www.unicef.de
http://www.terre-des-femmes.de

2 Female genital mutilation and obstetric outcome: WHO collaborative prospective study in six African countries. The Lancet, vol 367, June 3, 2006

3 Schnitte in Körper und Seele. Eine Umfrage zur Situation beschnittener Mädchen und Frauen in Deutschland. Berufsverband der Frauenärzte, Terre des
Femmes, UNICEF, Köln 2005.

4 Empfehlungen zum Umgang mit Patientinnen nach weiblicher Genitalverstümmelung (female genital mutilation). BÄK, April 2006 ( http://www.bundesaerztekammer.de )
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[*/QUOTE*]


"Besser wäre ein sachliches, wertfreies Gespräch." und "weniger Mitleid und Entrüstung".

Wer, wenn nicht der Arzt, ist der einzige Mensch, der von dem Verbrechen weiß? Ausgerechnet dieser einzige Mensch, der einzige, der helfen kann, der SOLL es nicht? Der soll nicht einmal Mitleid zeigen dürfen?

Überall beklagt man sich, die Ärzte wären zu kühl, zu berechnend, zu kalt. Und dann so eine Totalentgleisung, für die fristlose Kündigung das mindestete ist.

Wie geisteskrank ist eigentlich "die praktizierte Medizin" in Deutschland!?
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« Last Edit: January 09, 2007, 02:32:37 PM by ama »
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Kinderklinik Gelsenkirchen verstößt gegen die Leitlinien

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besucher

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Gemeinschaftlich begangenes Schweigen
« Reply #1 on: January 09, 2007, 07:52:00 PM »

ama postete
Wie geisteskrank ist eigentlich "die praktizierte Medizin" in Deutschland!?
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Wenn ich das richtig sehe, sind das die afrikanischen Aktivistinnen, die das fordern, nicht die Ärzte.
« Last Edit: January 09, 2007, 08:30:02 PM by ama »
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ama

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Gemeinschaftlich begangenes Schweigen
« Reply #2 on: January 09, 2007, 08:29:29 PM »

Sorry, falschen Knopf erwischt...


>Wenn ich das richtig sehe sind das die afrikanischen Aktivistinnen, die
>das fordern, nicht die Ärzte.

Erstens erkennt man das nicht so und zweitens tun die das im Ärzteblatt.

Drittens gibt es bei Ärztens viele SEHR VERQUERE Meinungen. Vorsichtig gesagt...
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Gemeinschaftlich begangenes Schweigen
« Reply #3 on: May 25, 2008, 12:34:33 PM »

Das ist noch immer ungeklärt.
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ama

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Re: Gemeinschaftlich begangenes Schweigen
« Reply #4 on: September 21, 2010, 01:41:32 PM »

Zwei Jahre sind vergangen. Noch immer ist nichts geklärt und nichts aufgeklärt.


Die Ärztekammer ist eine Mafiaorganisation.
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Thymian

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Re: Gemeinschaftlich begangenes Schweigen
« Reply #5 on: February 25, 2011, 10:48:19 AM »

Und noch immer herrscht Schweigen...
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.         At face with violence politeness is pointless.

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Yuriki

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Re: Gemeinschaftlich begangenes Schweigen
« Reply #6 on: August 14, 2022, 11:22:52 AM »

"Gemeinschaftlich begangenes Schweigen" - eine sehr gute Überschrift, wie man heute wieder sieht.
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